High Tech Ready Osmium (HTRO)
Osmium als hochreines Material, auch genannt High Tech Ready Osmium (HTRO), ist ein Industrie-reines, kristallines Osmium höchster Reinheit (und idealerweise in isotopenreiner Form) und besitzt extreme physikalische und quantenmechanische Eigenschaften. Und nun aufgepasst: es fristet derzeit aufgrund seiner Kosten und der schweren Verarbeitbarkeit in der Quantencomputer-Industrie noch ein Nischendasein, doch erste Informationen aus der Wissenschaft legen nah, das es sich in der Zukunft bei bestimmten Architekturen gegen etablierte Standardmaterialien durchsetzen wird.
Es sind die Nachteile potenzieller Konkurrenten und die physikalischen Gründe, warum Osmium überlegen sein wird:
Einsatzgebiet: Supraleitende Qubits (wie sie z. B. von Google und IBM verwendet werden) und Mikrowellen-Resonatoren.
Warum Osmium besser sein wird:
o Das Oxid-Problem (TLS): Der größte Feind der Kohärenzzeit (der Lebensdauer der Quanteninformation) bei supraleitenden Qubits sind sogenannte Two-Level Systems (TLS). Diese Störquellen entstehen primär in den winzigen, amorphen Oxidschichten an der Oberfläche von Niob- oder Aluminium-Leiterbahnen. Tantal hat Niob in Spitzenchips kürzlich teilweise abgelöst, da sein Oxid stabiler ist.
o Die Osmium-Lösung: Massives, reines und kristallines Osmium ist ein Edelmetall und chemisch extrem inert. Es bildet (im Gegensatz zu Osmium-Pulver) bei Raumtemperatur und im Kryo-Vakuum so gut wie keine störende Oxidschicht. Gleichzeitig wird Osmium bei extrem niedrigen Temperaturen (unter 0,66 Kelvin) zum Supraleiter. Da supraleitende Quantencomputer bei etwa 0,015 Kelvin (15 Millikelvin) arbeiten, wäre Osmium supraleitend, würde aber aufgrund der fehlenden amorphen Oxidschicht potenziell weitaus geringere dielektrische Verluste aufweisen als Niob oder Tantal.
Einsatzgebiet: Elektrodenmaterialien für Ionenfallen-Quantencomputer (Trapped-Ion Qubits, z. B. IonQ oder Quantinuum).
Warum Osmium auch hier besser sein wird:
o Oberflächenstabilität und Laser-Resistenz: Bei Ionenfallen schweben Ionen im Vakuum über winzigen Elektroden. Diese Elektroden (oft aus Gold) werden mit starken Lasern bestrahlt, um die Qubits zu steuern. Gold ist weich; durch Laser-Ablation und thermische Fluktuationen kann die Oberfläche auf atomarer Ebene aufrauen, was zu Störfeldern ("Anomalous Heating") führt.
o Die Osmium-Lösung: Osmium ist das dichteste und eines der härtesten Elemente der Erde. Es hat einen extrem hohen Schmelzpunkt (über 3000 °C) und eine der höchsten Austrittsarbeiten (Work Function) aller Metalle. Eine Elektrode aus hochreinem Osmium wäre extrem resistent gegen Laser-Ablation, Elektromigration und Oberflächenverschleiß. Sie würde ein "ruhigeres" elektrisches Feld für die gefangenen Ionen erzeugen.
Einsatzgebiet: Topologische Quantencomputer (der Ansatz, den Microsoft verfolgt).
Warum Osmium auch hier besser sein wird:
o Spin-Bahn-Kopplung: Topologische Qubits basieren auf exotischen Quasiteilchen (Majorana-Fermionen). Um diese zu erzeugen, benötigt man Materialien mit extrem starker Spin-Bahn-Kopplung (die Wechselwirkung zwischen dem Spin eines Elektrons und seiner Bewegung).
o Die Osmium-Lösung: Da die Spin-Bahn-Kopplung mit der Ordnungszahl (Größe des Atomkerns) stark ansteigt, bieten schwere Elemente wie Osmium (Ordnungszahl 76) hier enorme Vorteile. In Kombination mit seiner Supraleitfähigkeit ist reines Osmium ein hochinteressanter Kandidat für topologische Supraleiter-Schaltkreise.
Eine bestimmte Form von Osmium wird eben nicht nur chemisch, sondern auch isotopenrein hergestellt (z. B. reines Osmium-192), und daher bietet es einen weiteren massiven Vorteil:
Einige Osmium-Isotope haben einen Kernspin von Null. Materialien mit einem Kernspin wirken wie winzige Magneten, die das Magnetfeld im Quantencomputer stören und die Qubits destabilisieren (Dephasierung). Ein Leiter aus isotopenreinem Osmium-192 wäre völlig frei von magnetischem Kernspin-Rauschen.
Wer bereits Osmium in kristalliner Form im Schmuckmarkt und als Generationenmetall gekauft hat, weiss bereits, dass es theoretisch und quantenphysikalisch ein absolutes "Wundermaterial" für den Bau von Quanten-Hardware ist. Dass es Aluminium oder Gold noch nicht verdrängt hat, liegt an der Praxis: Osmium ist extrem teuer, lässt sich aufgrund seiner Härte und Sprödigkeit nur schwer als Dünnschicht (Thin-Film) auf Silizium-Wafer aufdampfen oder ätzen, und in oxidierter Pulverform ist es hochgiftig. Da die Materialwissenschaft jedoch Verfahren entwickelt, kristallines Osmium auf Chip-Ebene sicher und präzise zu strukturieren, wird es zu einem Schlüsselmaterial für die nächste Generation fehlerkorrigierter, im Vergleich der leistungsfähigsten Quantencomputer werden.
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